Dienstag, 28 September 2021
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 Überwachung von Raumdesinfektionsprozessen

 

Anwendungsbereich

Verdampfte oder versprühte Wasserstoffperoxid (H2O2/H2O)-Lösungen werden zur Desinfektion von Innenräumen verwendet. Bei den zu desinfizierenden Räumen kann es sich z. B. um Patientenzimmer, OP-Säle, Krankenwagen, Personenschleusen, Isolatoren, aber auch um Konferenzräume, Fitness-Studios, Militärfahrzeuge, Flugzeuge oder Tierställe handeln. Gasförmige H2O2-Lösung oder da-raus hergestellte Aerosole haben eine keimabtötende Wirkung.

Geräte-Prozess-Informationen

Die Geräte der unterschiedlichen Hersteller verdampfen entweder H2O2/H2O oder erzeugen Aerosole mit unterschiedlichen Verfahren. In einigen Geräten wird wässrige H2O2-Lösung mit hohem Druck durch eine Düse gepresst, die so konstruiert ist, dass aus der Flüssigkeit sehr kleine Tropfen und dadurch Aerosole gebildet werden. Andere Geräte verwenden Ultraschall, um aus der Flüssigkeit ein Aerosol herzustellen. In Geräten wieder anderer Hersteller tropft H2O2-Lösung im Inneren des Verneblers auf eine Heizplatte und verdampft. Bei Kontakt mit der Luft außerhalb des Geräts kondensiert der Dampf und bildet auf diese Weise Aerosole. Die meisten Geräte sind unabhängig von der verwendeten Methode transportabel und können an jedem beliebigen Ort eingesetzt werden.

Aerosole sind so kleine Tropfen, dass sie nicht sofort zu Boden fallen, sondern längere Zeit schweben. Sie verhalten sich teilweise wie ein Gas und können sich in alle Richtungen verteilen. So soll er-reicht werden, dass möglichst schwer zugängliche Stellen und auch Wände und Decken mit den Aerosoltropfen oder dem verdampften H2O2 in Kontakt kommen.

Handhabung

Abhängig von der Raumgröße, die desinfiziert werden soll, wird die auszublasende H2O2/H2O Menge eingestellt. Üblich ist, dass das Gerät nach einer Verzögerung von etwa einer Minute startet, damit der Bediener den Raum verlassen und verschließen kann. Anschließend findet die H2O2/H2O Verteilung mit einer definierten Einwirkzeit statt. Da-nach wird der Raum belüftet und kann dann wieder betreten werden.

Offene Fragen

Einige Material-Oberflächen reagieren katalytisch mit Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff. Es existiert keine Information, inwieweit die Anwesenheit solcher Materialien die Verfahren einschränken.

Die Eindringtiefe der desinfizierenden Wirkung, z. B. in Spalten, in Textilien oder in andere Gewebe etc., ist gering und objektiv schlecht messbar. Durch diese Unsicherheit kann eine Wischdesinfektion nicht ersetzt, sondern nur ergänzt werden.

Bei der Desinfektion von z. B. Isolatoren sind die Innenflächen mit geeigneten Materialien gefertigt und es gibt wenige schwer zugängliche Stellen wie z. B. Spalten oder Winkel. Weiterhin ist dort meistens bekannt, welche Keime inaktiviert werden sollen.

Bei der Desinfektion von Räumen, die Objekte wie z. B. Möbel enthalten (z. B. Krankenzimmer, OP etc.), ist die Situation wesentlich unübersichtlicher. Dort gibt es versteckte und schwer zugängliche Stellen. Es befinden sich eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien und Oberflächenstrukturen im Raum, in denen unbekannte Keime inaktiviert werden sollen.

 

 

Im Gegensatz zu allen anderen bekannten Sterilisationsprozessen, bei denen im Wesentlichen der verwendete Keim die Resistenz des Bioindikators bestimmt, ist die Resistenz von Bioindikatoren in Raumdesinfektionsprozessen von weiteren Einflussgrößen abhängig und kompliziert die Resistenzbetrachtung noch zusätzlich.

Folgende Einflussfaktoren sind bekannt:

1. Auswahl des Keims

In der Lebensmittelindustrie wird überwiegend B. subtilis oder B. atrophaeus und im Gesundheitsbereich G. stearothermophilus verwendet, die unterschiedliche D-Werte haben.

2. Herstellungsmethode der Bioindikatoren

Durch unterschiedliche Kultivierung und Sporulierung des Keims kann die Resistenz trotz Verwendung des gleichen Bakterienstammes erheblich beeinflusst werden.

3. Trägermaterial des BI

H2O2 reagiert teilweise chemisch oder katalytisch mit dem Träger und bildet Zwischenprodukte, die den Keim besser inaktivieren. Oder aber das H2O2 wird in Sauerstoff und Wasser zersetzt, ohne mit dem Bioindikator zu reagieren. Der Markt bietet Träger aus Glasfaser, Edelstahl, PET-Folie und Tyvek an. Die Resistenz des gleichen Bioindikators ist stark vom Trägermaterial abhängig.

4. Oberflächenstruktur des verwendeten Trägermaterials

Rauigkeit der Oberfläche oder Porosität des Trägermaterials verändern die Oberfläche, indem die Keime entweder besser verteilt werden oder auch in porösen Systemen mehr abgeschirmt werden.

5. Aufreinigung der Suspension

Aus der Sporenherstellung stammende organische und anorganische Verunreinigungen in der Suspension sollten besonders gründlich entfernt werden. Verbleibende Peptide könnten sonst z.B. die Keime abschirmen und so die Inaktivierung behindern.

6. Inokulation auf die Sporenträger

Keime sollten in einer einschichtigen Belegung auf die Oberfläche aufgetragen werden (Monolayer-Inokulation), um zu verhindern, dass übereinanderliegende Schichten den H2O2-Zugang auf darunterliegende Schichten abschirmen.

7. Bioindikator-Verpackungen

Es werden keimdichte Verpackungen, die entweder aus nicht gewebten Zellulosefasern, PE-Fasern oder Kombinationen von beiden bestehen, verwendet. H2O2 kann bereits mit Zellulosefasern reagieren und so die H2O2-Konzentration im Inneren der Verpackung vermindern. Daher werden Verpackungen aus Zellulose in VH2O2-Prozessen nicht empfohlen. Es ist auch empfehlenswert bei der Raumdesinfektion nackte Bioindikatoren einzusetzen. Allerdings besteht dann danach das Problem eines aseptischen Transfers in die Nährlösung zur Beurteilung des Bioindikators.

GKE stellt unter Beachtung der o. g. Faktoren speziell aufgereinigte Sporensuspensionen für die Raumdesinfektion her, die deshalb für die Überwachung dieser Prozesse besonders geeignet sind.

Alle GKE biologischen Indikatoren entsprechen der Normenreihe DIN EN ISO 11138, der europäischen und amerikanischen Pharmacopeia (EP + USP). Die Spezifikationen für Population und D-Wert sind in einem Zertifikat für jede Charge enthalten, das jeder Packung beiliegt.

Des weiteren sind auch einfacher zu handhabene Chemo-Indikatoren verfügbar. 

Diese Indikatoren gemäß DIN EN ISO 11140-1 Typ 4 geben nur an der Stelle (z. B. in Räumen oder Isolatoren) eine Information über die erfolgreiche Raumdesinfektion, an der sie platziert wurden. Sie können nach der Anwendung zur Dokumentation archiviert und z. B. in eine Papierdokumentation eingeklebt werden.

Die Indikatoren sind auf einer Karte mit 16 selbstklebenden Indikatoren und in zwei verschiedenen Versionen erhältlich, deren Farbumschlag zu unterschiedlichen Zeiten erfolgt. Dadurch ist auch bei Prozessen mit unterschiedlichen Einwirkzeiten, Temperaturen und Konzentrationen jeweils ein zur Überwachung geeigneter Indikator verfügbar.

Die Erforschung dieser Verfahren ist nicht abgeschlossen. Mit der EN 17272 gibt es seit 2020 eine Norm, die eine Methode beschreibt, mit der Gerätehersteller die Wirksamkeit ihrer Verfahren definieren können.